| Motive zur Gründung einer
Frauengruppe
Die Notwendigkeit zum Aufbau
einer Frauenabteilung zeigte sich schon nach relativ kurzer
Existenz des Mesopotamien Vereins. Anfänglich als
unterstützende Funktion des Vereinsvorstandes bei dessen
Funktionen agierend, hat sich das Tätigkeitsfeld der im
November 1983 gegründeten Frauengruppe schnell ausgeweitet.
Die Schwerpunkte der Aktivitäten lagen in den ersten
Lebensjahren vor allem in der Überwindung von Sprachbarrieren,
um die Integration der Frauen in die deutsche Gesellschaft
voranzutreiben. So wurden u. a. für assyrische Frauen
Deutschkurse und Schulungen für Analphabetinnen abgehalten, um
Möglichkeiten eines Zugangs in die Gemeinschaft des
Gastgeberlandes zu ermöglichen und mehr Unabhängigkeit der
Frauen zu erzielen.

Frauenvorstand 2008
von links, oben: Akcan Samira, Özkaya Hülya, Malki Linda, Akgüc Münira, Bulun Peyruza
von links, unten: Bagac Hana, Kourie Loris
Interne Frauenarbeit
Der Wandel von Lebens- und
Arbeitsbedingungen für Frauen und Familien führte zu
veränderten Arbeitsschwerpunkten der assyrischen Frauengruppe.
Der Fokus wurde immer mehr auf frauenspezifische Themen in
Gesellschaft und Politik gerichtet. Die Veranstaltung
regelmäßiger Frauentreffs dient als Vortrags- und
Diskussionsplattform frauencharakteristischer Fragen. Ziel
dieser Einrichtungen ist es, ein Informations-, Bildungs- und
Aufklärungsangebot für Frauen zu machen. Gegenstand der
Frauentreffs sind beispielsweise Informationen über die Arbeit
verschiedener Beratungsstellen zu vermitteln, Vorträge über
neue Methoden der Empfängnisverhütung oder Referate über die
Möglichkeiten beim Wiedereinstieg in das Berufsleben zu
halten. In einem größeren Rahmen werden mehrtägige Seminare
zur intensiven Abhandlung frauensignifikanter und
gesellschaftskritischer Themen überregional veranstaltet.
Dabei werden nicht selten Tabuthemen wie z. B. „Sexualität der
Frau“, „Frau und Scheidung“ oder „Missbrauch an Kindern“
durchbrochen und ausdiskutiert.
Neben dieser bedeutsamen
Frauenarbeit werden auf das gesamte Jahr verteilt verschiedene
Veranstaltungen durchgeführt, die im Laufe der Jahre zu fixen
Bestandteilen der Frauenarbeit geworden und deren Gewichtung
nicht zu unterschätzen ist.

Faschingsfeier 2003
Durch die Mitwirkung der
Kinder zum Beispiel bei Theatervorführungen oder
Gemeinschaftsspielen im Rahmen von Muttertags-, Faschings- und
Nikolausfeiern wird vor allem der Gemeinschaftssinn, die
Kreativität und Selbstsicherheit der heranwachsenden Kinder
gestärkt. Zudem sollen durch die aktive Teilnahme bei
verschiedenen Programmteilen das Bewusstsein für die eigene
Kultur und Sprache geschaffen werden.
Externe Frauenarbeit
Nach Festigung der internen
Frauenarbeit wurde immer mehr die Ausrichtung auf
Betätigungsfeldern außerhalb des Vereins angestrebt. Bereits
seit über 10 Jahren ist die Frauengruppe aktives Mitglied in
der Arbeitsgemeinschaft Augsburger Frauen (AAF).

Schnuppertag in die
Assyrische Küche mit AAF 2003
Die AAF ist ein
Zusammenschluss von Augsburger Frauenorganisationen und
–gruppierungen, die sich das Ziel gesetzt hat, mit der Basis
einer gemeinschaftlichen Vertretung und Artikulation
Chancengleichheit und Gleichberechtigung für Frauen auf allen
Ebenen wirkungsvoll durchzusetzen. Die Frauengruppe unseres
Vereins nimmt an den regelmäßigen Sitzungen teil, wo
frauenrelevante Themen aus Politik und Alltag im Mittelpunkt
stehen, und beteiligt sich an politischen und kulturellen
Initiativen wie beispielsweise an der Veranstaltungsreihe zum
Internationalen Frauentag. Die dadurch gewonnenen Erfahrungen
und Impulse werden in die tägliche Vereinsarbeit eingebunden.
Neben der Mitgliedschaft in
der AAF bestehen auch Kontakte zu ausländischen
Frauengruppierungen, die im AK des Ausländerbeirats der Stadt
Augsburg vernetzt sind. Anfängliche Schritte organisierter
Frauenarbeit im AK wurden dabei in den letzten zwei Jahren
erzielt.
Ziele und Erfolge 20-jähriger
Frauenarbeit
Als erste organisierte
Frauengruppe eines assyrischen Vereines in Deutschland hat
sich die Frauenabteilung des Mesopotamien Vereins in ihrer
Entwicklung stark gefestigt und ist zu einer tragenden und
unverzichtbaren Säule des Vereins geworden. Waren die
Aktivitäten in den ersten Jahren eher punktuell und der
aktuellen Situation entsprechend ausgerichtet, sind die
Initiativen seit etwa 10 Jahren strukturierter und
weitreichender geworden in einer Zeit, wo Frauenarbeit immer
mehr Professionalität bei der Planung und Durchführung von
Projekten erfordert. Eine Vielzahl gesellschaftlicher
Fortschritte konnten erreicht werden, indem ein Prozess der
Wahrnehmung als Frau und des Erlangens von Selbstbewusstsein
durch die facettenreiche Frauenarbeit stattgefunden hat.
In der Tat hat sich nicht nur die
Stellung der Frau in der Gesellschaft, sondern auch unser
Begriff von Familie in den letzten zwei Jahrzehnten
tiefgreifend gewandelt. Dies betrifft nicht nur die Definition
von Familie, sondern auch das Selbstverständnis der
Familienmitglieder in Bezug auf Rechte, Pflichten und
Aufgaben.
Augsburg, April 2003
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