| Assyrische Jugendgruppe

Jugendvorstand 2009/10
von links: Sargon Turgay, Eva Aktas, Ornamo Akcan, Tigris Demir, Rabi Malki, Nathalie Özdemir, Habib Önat
Die Assyrische Jugendgruppe
Augsburg existiert seit der Gründung des Mesopotamien Vereins
im Jahre 1978. Ihren autonomen Status erlangte die
Jugendgruppe jedoch erst im Juli 1988, in dem sie sich eine
Jugendordnung gab. Grund dafür war der Eintritt in den
Stadtjugendring Augsburg, dort war man das erste ausländische
Mitglied. Hervorheben muss man bei den damaligen Aktivitäten
mit Sicherheit die beiden aktiven Jugendlichen Gebro Araz und
Hasare Demir. Die Jugendordnung wurde 1992 und dann 2001
grundlegend geändert.
Hauptaufgaben
der Jugendgruppe sind und waren die:
|
1. Vermittlung
von Informationen über die assyrische Kultur und Sprache. |
| 2.
Schaffung von Möglichkeiten, um sich zu treffen und näher
kennen zulernen. |
| 3.
Hilfestellung bei Schwierigkeiten mit den Behörden. |
| 4.
Veranstaltung von Kursen und Seminaren zur Weiterbildung der
Jugendlichen. |
| 5. Förderung der
sportlichen Interessen ihrer Mitglieder. |
| 6.
Zusammenarbeit mit deutschen Jugendgruppen und Institutionen. |
| 7. Kontaktpflege zu
anderen Jugendgruppen unseres Volkes in Mitteleuropa und
auf der ganzen |
| Welt,
insbesondere zu den Jugendlichen in der Heimat |
| 8.
Erziehung der jungen Generation zur Verantwortung unter
Berücksichtigung ihrer Herkunft |
| und
Identität. |
Mitglied in der
Assyrischen Jugendgruppe sind zunächst einmal alle
Vereinsmitglieder, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet
haben. Daneben können seit der Ordnungsänderung im Jahre 2001
alle Jugendlichen zwischen 14 bis 30 Jahren in die
Jugendgruppe eintreten, ohne Mitglied im Stammverein zu
werden. Diese Reform bewirkte, dass sich die Anzahl der
aktiven Jugendmitglieder stark erhöhte. Ziel ist es natürlich,
dass alle Jugendmitglieder ab 18 Jahren dann in den
Mesopotamien Verein eintreten. Heute zählt die Assyrische
Jugendgruppe Augsburg über sechzig Mitglieder, die
Altersstruktur hat sich nach unten verlagert, was man der
Reform 2001 zu verdanken hat. Diese wurde damals vor allem von
Aryo Makko, Nicme Seven und Aslan Yildiz erarbeitet und
durchgesetzt. Die Jugendgruppe hat drei Organe, die
Jugendversammlung, die Arbeitskreise und den Jugendvorstand.
Sie hat eine eigene Kasse. Ein Jugendvorstandsmitglied wird
als Vertreter der Jugend in den Vereinsvorstand entsandt, so
dass eine Koordination der Aktivitäten zwischen der
Jugendgruppe und dem Stammverein gewährleistet sind.

Jugendliche des Vereins 1989
In den ersten Jahren war das Hauptanliegen der Jugendgruppe,
den Jugendlichen die gerade neu von den Heimatländern Syrien
und Türkei, sei es als Gastarbeiter- oder Flüchtlingskinder
nach Augsburg kamen, ein soziales Netz anzubieten. Dies wurde
in den Vereinsräumen im Äußeren Pfaffengässchen durch
regelmäßige Jugendtreffs versucht. In diesen Treffs wurden von
den Jugendlichen selbst vorbereitete Referate über die
Geschichte, Kultur, Sprache, politische Lage in den
Heimatländern, der assyrischen Einheitsbewegung, den
Völkermord und innergesellschaftliche Fragen abgehalten.
Parallel dazu widmete man sich der Integration der
Jugendlichen. Für die sprachliche und berufliche Integration
bot man Sprachkurse im Deutschen an. Das war der erste
Schritt, um in der deutschen Gesellschaft klar zu kommen und
Fuß zu fassen. Ohne Deutschkenntnisse, war und ist das Finden
eines Arbeits- oder Ausbildungsplatzes erschwert; es ist
Grundlage jeglicher Integration. Die Assyrer bilden heute ein
Vorzeigebeispiel einer gelungenen Integration in Augsburg.
Da Deutschland, im Gegensatz zu den Heimatländern, die Pflege
der eigenen Kultur, Sprache und nationalen Identität nicht
behinderte, entfalteten die Jugendlichen die nun in Frieden
und Freiheit lebten, sich auf kulturellem und
muttersprachlichem Bereich. Man begann, sich der Erlernung der
syrischen Schriftsprache, die in der Heimat nicht unterrichtet
werden durfte, zu widmen. Es entstanden Tanzgruppen, um die
traditionellen Folkloretänze neu aufleben zu lassen und weiter
zu entwickeln. Auch kleine Theatergruppen wurden gebildet, die
die Situation in der Heimat und die innergesellschaftliche
Themen, auf die Bühne brachten. Die Theater- und Tanzgruppen
präsentieren ihr Können auf den jährlich mehrmals
stattfindenden Jugend- und Kulturfeiern, die einen besonderen
Anziehungspunkt für alle Jugendlichen, auch außerhalb des
Vereins und Augsburgs, ausüben. Es treffen sich meistens
Jugendliche aus verschiedenen Städten Deutschlands, wie
Gütersloh, Paderborn, Memmingen, Neufahren, Stuttgart,
Wiesbaden, u.a. zusammen. Ein weiteres wichtiges Ereignis für
die Jugendlichen sind die Studienreisen in die europäischen
Hauptstädte, die in den letzten zwei Jahren aufgenommen
wurden. Nach Berlin und Rom folgt heuer Prag. Bei diesem
mehrtätigen Aufenthalt lernen die Jugendlichen die Geschichte
und Kultur dieser Städte und Regionen kennen.
Die Jugendgruppe versuchte nach den ersten Jahren den
Jugendlichen neben dem Bereich der Integration, auch auf
sozialem und gesellschaftlichem Bereich behilflich zu sein.
Diesbezüglich fanden und finden noch verschiedene Vorträge
über Identitätsschwierigkeiten, Kriminalität, Drogenkonsum,
Spielsucht und aufenthalts- und einbürgerungsrechtlichen
Problemen statt. Dieses geschieht auch auf den
Wochenendseminaren die oft in den Schullandheimen wie
Bliensbach, Violau oder in Akademien und Schulungszentren wie
Ottmarring und Bad Boll stattfinden.

AJM-Seminar in der Akademie Klausenhof 2003
Der Arbeitskreis Bildung, der seit der Ordnungsreform im Jahre
2001 erneut aktiv wurde, konnte in den letzten zwei Jahren den
Nachhilfeunterricht, der von 1997 bis 1999 erteilt wurde,
durch die Mithilfe einiger Studenten und Abiturienten, wieder
ins Leben rufen. Der Arbeitskreis Bildung konnte auch noch
eine Liste der Bücher an der Universität Augsburg, die in
syrischer Sprache verfasst sind bzw. die Assyrer betreffen,
erstellen. Ein neuer Sprachkurs konnte ebenfalls etabliert
werden, der für Anfänger und Fortgeschrittene die Beherrschung
des Lesens und Schreibens in syrischer Schrift ermöglichte.
Ziel ist es, dass die hier geborenen und heranwachsenden
Jugendlichen ihre Muttersprache in Wort und Schrift
beherrschen. Dies gilt nicht nur für die Umgangssprache des
Turoyo (Dialekt von Tur Abdin), sondern auch der
Hochsprache/Schriftsprache. Natürlich ist es kein einfaches
und leichtes Unterfangen, doch muss es trotz aller
Schwierigkeiten versucht werden.
Für die Förderung der sportlichen Interessen der Jugendlichen
ist der selbständige Arbeitskreis Sport verantwortlich. Er
organisiert Tischtennis-, Billard-, Volleyball- und
Basketballturniere. Der Wanderpokal ist bei den Billard- und
Tischtennisturniere besonders begehrt. So eifern alljährlich
die Jugendlichen um die Trophäen in den jeweiligen Bereichen.

Billardturnier
2003
Für Fußballinteressierte steht die Fußballmannschaft des
Mesopotamien Vereins zur Verfügung. Wünschenswert wäre, wenn
in den nächsten Jahren auch Jugendmannschaften sich etablieren
könnten. Hervorzuheben ist, dass im letzten Jahr auch ein
Snowboardkurs angeboten wurde. Durch die zahlreichen
sportlichen Aktivitäten versucht die Jugendgruppe, die
Freizeit der Jugendlichen so gut wie möglich zu gestalten und
auszufüllen. Denn Sport ist ein wichtiger Bestandteil
erfolgreicher Jugendarbeit und muss als solcher gepflegt
werden.

Gewinner des Tischtennisturniers 2003
Seit Gründung des Vereins wird eine intensive Zusammenarbeit
mit deutschen Jugendgruppen und Institutionen gepflegt. Es
bestehen bis heute Verbindungen zu der katholischen und
evangelischen Jugend ebenso zu den serbischen und alevitischen
Jugendgruppen. Man tritt beispielsweise auf den gegenseitigen
Festen mit Tanzgruppen auf. Diese gemeinsamen Aktivitäten
sollten intensiviert und auch auf andere Bereiche ausgedehnt
werden. Besonders wichtig ist uns auch der Kontakt zum
Stadtjugendring, bei dem eine Abordnung unserer Jugend seit
1988 Mitglied und seit längerem auch im Vorstand vertreten
ist. Wir bedanken uns in diesem Zusammenhang der fachlichen
und materiellen Unterstützung durch den Stadtjugendring.
Einige unserer Jugendvorstandsmitglieder konnten auch an den
Jugendbetreuerseminaren des Stadtjugendringes teilnehmen.
Die Assyrische Jugendgruppe pflegt auch Kontakte zu anderen
assyrischen Jugendgruppen in Deutschland und Europa, in den
ersten Jahren auch zur Heimat, die leider aufgrund der
Auswanderung, vor allem aus der Türkei, wieder abnahmen. Die
assyrischen Jugendlichen aus Augsburg spielten Ende der
achtziger Jahre bis Mitte der Neunziger eine wichtige Rolle im
überregional gegründeten Jugendkomitee des Zentralverbandes
der assyrischen Vereinigungen in Deutschland (ZAVD). Von
Anfang an gehörten Augsburger zu dem Vorstand des
Jugendkomitees.
Auch die Initiative für die Gründung des Assyrischen
Jugendverbandes Mitteleuropa (AJM), der die Jugendarbeit der
verschiedenen Jugendgruppen in Mitteleuropa koordinieren und
lenken soll, ging von der Assyrischen Jugendgruppe Augsburg
aus. Ihr ist es zu verdanken, dass durch die zahlreichen
Besuche bei den Jugendlichen der assyrischen Vereine in
Gütersloh, Paderborn, Gießen, Wiesbaden, Duisburg, Wien und
Wil die Grundlagen für die Gründung des AJM geschaffen wurde.
Die Mitglieder der Assyrischen Jugendgruppe Augsburg sind es,
die derzeit die Hauptlast der Aktivitäten des AJM, seit der
Gründung im Oktober 2002, tragen.

Jugendaustausch mit Holland 2002
Die Kontakte mit der Jugend in Schweden, Holland, weiteren
europäischen Ländern und vor allem der Heimat werden in
Zukunft so vom AJM gepflegt. Eine Reise in die Heimat der
Eltern, würde auf der Suche nach der eigenen Identität die
Jugendlichen weiterbringen.
Die erfolgreiche
Jugendarbeit der letzten 25 Jahre, vor allem der letzten zwei
Jahre kann fortgesetzt werden, wenn rechtzeitig an den
Nachwuchs gedacht wird. Eine verantwortungsvolle Jugend führt
die heranwachsenden Jugendlichen an die kulturelle, soziale
und gesellschaftliche Jugendarbeit heran. Es ist Aufgabe eines
jeden Verantwortlichen, der aus seinem Amt ausscheidet, dass
er einen Nachfolger findet; dies kann in einem
Mentorverhältnis geschehen. Die Jugendarbeit muss auch den
Spaß-Faktor berücksichtigen, um weiterhin das Interesse der
Jugendlichen zu wecken.

„Die
nächste Generation“
Die Jugend
müsste nach der erfolgreichen sprachlichen und beruflichen
Integration in Zukunft auch auf die gesellschaftspolitische
Integration vorbereitet werden. Als deutsche Staatsbürger und
Teil der deutschen Gesellschaft ist der Beitritt zu
politischen Parteien und Organisation den Jugendlichen nahe zu
bringen.
Den Jugendlichen
ist die Wichtigkeit von Bildung und Ausbildung vor Augen zu
führen. Die Erhöhung der Anzahl der Assyrer mit akademischem
Abschluss ist in den nächsten Jahren anzustreben. Bei
Betrachtung der Arbeitslosenzahlen ist der Abschluss eines
qualifizierten Berufs als große Notwendigkeit zu betrachten.
Die assyrische
Identität darf, trotz einer erfolgreichen Integration, nicht
vernachlässigt werden. Die Erhaltung der Sprache und Kultur
muss weiterhin ein Hauptbestandteil der assyrischen
Jugendarbeit sein.
Augsburg, April 2003
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