
Verwirrspiel um "Mor Gabriel"
Dient der Streit um das Kloster den Türkeigegnern als Vorwand?
Die Augen sämtlicher Medien sind mittlerweile auf das Kloster Mor Gabriel gerichtet.
Was als "Aktion Mor Gabriel" durch den Zusammenschluss von Mitgliedsorganisationen
wie der Erzdiözese der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, dem Dachverband
der Entwicklungsvereine Tur Abdin (DETA), der European Syriac Union (ESU), der
Föderation der Aramäer (Suryoye) in Deutschland (FASD), der Föderation Suryoye
Deutschland (HSA) und des Zentralverbandes der Assyrischen Vereinigungen in
Deutschland (ZAVD) bekannt ist, verselbständigt sich plötzlich durch die Gründung
der "Initiative Mor Gabriel".
Fast scheint es, als wolle die Initiative, vertreten durch Organisationen wie
beispielsweise der Komkar (Verband der Vereine aus Kurdistan e.V.) die diplomatische
Haltung der Aktion durch ihre eigene Türkeigegnerschaft ausspielen und den Streit
um das Kloster mit seinen Ländereien als Mittel zum Zweck missbrauchen.
Doch dass diese feindliche Haltung gegenüber der türkischen Regierung genau
das Gegenteil in den Anstrengungen um den Erhalt des Klosters zur Folge haben
kann, dessen ist man sich scheinbar nicht bewusst. Denn für so manchen wird es
dahingehend keinen Unterschied bedeuten, ob es sich bei den Aktivitäten um die
der "Aktion" oder der "Initiative" Mor Gabriel handelt – und beide als Gegner
der türkischen Regierung in den selben Topf werfen.
Die Mitgliedschaft der Föderation der Aramäer in Deutschland bei der
„Initiative Mor Gabriel“ ist deshalb sehr erstaunlich und gibt zu denken.
Zumal die "Aktion Mor Gabriel", der auch die FASD angehört, seit ihrer Gründung
als Volkseinheit der Assyrer/Aramäer/Chaldäer in ihrem Zusammenhalt bisher gute
Arbeit geleistet hat.
Wo die Einen versuchen, einen Konsens mit der Türkei und der Politik
zu finden, um das Kloster zu retten, wird nun durch Zur-Schau-Stellung
von Türkeigegnerschaft diverser Mitgliedsorganisationen der Initiative ein
offener Konflikt provoziert. Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Prozess
um die Enteignung des Klosters einer Instrumentalisierung der radikalen Mitgliedsorganisationen
unterliegt, zu denen die FASD sicherlich nicht zählt.
Der Sprecher der „Initiative“, Kubilay Demirkaya, zitiert deshalb eine angebliche
Aussage des türkischen Diplomaten Kivanc aus einem Treffen mit "Minderheitsvertretern"
am 22. Februar 2009:
„Der Generalkonsul Hakan Kivanc habe davor gewarnt, sich von der deutschen Politik
missbrauchen zulassen. Wenn die Deutschen könnten, würden sie allen Türken
ein "T" tätowieren lassen und das Gleiche tun, was sie in der Nazi-Zeit getan hätten.
Wenn man Deutschen die Pulsadern aufschneide, würde braunes Blut fließen“
(Reuters, 29. April 2009).
Dass sich das Auswärtige Amt dieser Angelegenheit des
türkischen Generalskonsuls annimmt, sollte eigentlich eine
Grundlage für eine sachliche Aufklärung bedeuten. "Die Initiative will nach Angaben
ihres Sprechers, Kubilay Demirkaya, jedoch an den Vorwürfen festhalten", so in einem
Bericht des Kölner Stadtanzeigers. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur ddp will
das Auswärtige Amt den massiven Vorwürfen gegen den türkischen Generalkonsul Hakan Kivanc nachgehen.
Treffen diese Vorwürfe zu, muss Kivanc abberufen werden. Gemäß spiegel online streitet dieser aber ab,
sich jemals derart geäußert zu haben. Neutralität bis zur Klärung wäre also von allen Seiten angesagt.
Wer letztendlich Schaden davonträgt, sind nicht die Organisatoren dieser Initiative, sondern das Kloster
selbst. Wer aber am allerwenigsten unter diesem Disput leiden sollte, ist das sowieso schon schwer
geschüttelte "Mor Gabriel". Gerade aufgrund der angeblichen Äußerungen Kivancs
sollte die Türkei sich hier jetzt reinwaschen von jedem Verdacht einer Negativhaltung
gegenüber der Nicht-Muslime und die Situation ins Positive kehren.
Die Diskussionen um rassistische Aussagen des türkischen Generalkonsuls Hakan Kivanc lenken
somit unübersehbar vom eigentlichen Thema ab: der Rettung des Klosters Mor Gabriel. Es ist
unschwer abzusehen, dass sich die Haltung der türkischen Regierung im Prozess dadurch nur
verhärten wird.
Wie soll es je eine friedliche Lösung im Konflikt um das "Mor Gabriel" geben, wenn unter dem
Deckmantel von Initiativen für das Kloster sich auch radikale, vom Verfassungsschutz
überwachte Organisationen befinden, die diese Demonstration in Köln lediglich zum Anlass
genommen haben, ihre feindliche Haltung gegenüber der Türkei zu demonstrieren? Diese
Frage wird wohl unbeantwortet bleiben.
Marianne Brückl
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